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Eisfuchs

Zum diesjährigen Buchmesse-Schwerpunktthema Kanada ist eine ganze Reihe an kanadischen Titeln erstmals in deutscher Sprache erschienen. Ein sehr ungewöhnliches Buch sticht hervor: Eisfuchs von Tanya Tagaq. Die Autorin wurde 1975 im heutigen Territorium Nunavut im Norden Kanadas geboren. Hier leben hauptsächlich Inuit, Inuktitut ist sogar eine der Amtssprachen. Tanya Tagaq ist als Komponistin und Sängerin bekannt, die traditionelle Kehlkopfgesänge in eine postmoderne Form übersetzt hat. Die mythischen Inhalte, die sie in ihren Alben transportiert, überträgt sie auch auf ihr erstes Buch.

Sie erzählt von ihrer Kindheit und Jugend in der Arktis. Ihre Protagonistin ist ein namenloses Mädchen, das in der sich in Auflösung befindenden Gesellschaft versucht, seinen Kopf oben zu behalten. Schwer in dem Spannungsfeld zwischen der Geborgenheit bei den alten Frauen, die die alten Traditionen noch leben, und dem übrigen Familienleben, in dem die Erwachsenen häufig trinken und dann den Kindern Gewalt antun. Wenn der Frühling kommt, entflieht sie, wie alle Kinder, nach draußen in die Natur. Allein auf dem zugefrorenen Meer will sie mit dem Polarlicht verschmelzen, um so ihre Wunden zu heilen. Die Realität, ihre Innenwelt und die alten Überlieferungen werden ununterscheidbar.

Eisfuchs ist kein einfaches Buch. Kurze Prosatexte wechseln mit lyrischen Passagen ab, dazu hat die Autorin Auszüge aus ihren Traumtagebüchern verwendet. Es ist zum Teil düster und verstörend, Gewalt - die der Erwachsenen, aber auch die der Natur - spielt eine Rolle, das darf nicht verschwiegen werden. Aber der pure, eindringliche Schreibstil von Tagaq erschafft starke Bilder, die einen nicht loslassen. Und wir erhalten Einblicke in eine Welt, die schon fast ganz verloren gegangen ist.

Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783956143533
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Kategorie: Belletristik