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Buchtipps - Belletristik

Zum diesjährigen Buchmesse-Schwerpunktthema Kanada ist eine ganze Reihe an kanadischen Titeln erstmals in deutscher Sprache erschienen. Ein sehr ungewöhnliches Buch sticht hervor: Eisfuchs von Tanya Tagaq. Die Autorin wurde 1975 im heutigen Territorium Nunavut im Norden Kanadas geboren. Hier leben hauptsächlich Inuit, Inuktitut ist sogar eine der Amtssprachen. Tanya Tagaq ist als Komponistin und Sängerin bekannt, die traditionelle Kehlkopfgesänge in eine postmoderne Form übersetzt hat.

Elizabeth, genannt Beth, spielt Schach seit sie mit 8 Jahren ins Waisenhaus gekommen ist. Der alte Hausmeister bringt es ihr bei und hilft ihr damit zu überleben, wenn sie mit 20 anderen Mädchen im Schlafsaal nicht zur Ruhe kommt. Sie stellt sich dann ein Schachbrett an der Decke vor und spielt die Partien im Kopf nach. Plötzlich hat ihr Leben einen neuen Sinn bekommen. Sie ist eine Kämpfernatur, sie will siegen. Mit 13 Jahren wird sie schließlich doch noch adoptiert.

Thomas Wazhashk ist Nachtwächter. Es ist das Jahr 1953 und er bewacht eine Fabrik in einem Indianerreservat im Norden der USA nahe der kanadischen Grenze. Er ist Chipppewa, sein Großvater hat noch an der Seite von Sitting Bull gekämpft. Jetzt ist er Vorsitzender des Stammesrates und ihm ist ein Gesetzesentwurf zugespielt worden, in dem es darum geht, den Indianern, denen kaum etwas geblieben ist, durch ein sogenanntes Terminationsgesetz alle verbliebenen Sonderrechte, die sie im Austausch für ihr Land bekommen haben im ausgehenden 19.

Es geht um Henriette und Hans Benedek und ums Älterwerden, überhaupt um Männer und Frauen. Henriette hat dereinst einen euphorisch aufgenommenen Gedichtband veröffentlicht, dann jedoch den renommierten Kulturkritiker Hans geheiratet und führt ein scheinbar unbedeutendes Leben als Ehefrau, Mutter, Hausfrau. Plötzlich wird sie jedoch von Xandia Lochner kontaktiert, die sich einen Namen als Bloggerin und Internet-Aktivistin gemacht hat.

Heleen, Ende 30, ist in einer Nervenheilanstalt untergebracht, wie damals üblich in einem großen Krankensaal. In den Nächten, in denen sie nicht schlafen kann, erzählt sie der Nachtschwester ihre Lebensgeschichte. Aufgewachsen als Älteste in einer kinderreichen Familie, die in großer Armut lebte, wurde keine Rücksicht auf sie genommen. Statt Liebe und Anerkennung gab es Arbeit im Haushalt und die Verpflichtung, sich um die zahlreichen jüngeren Geschwister zu kümmern.

Zwei deutschbaltische Brüder machen Karriere in Nazideutschland. Nach dem Krieg lösen sie sich nicht aus den Verstrickungen und werden beide Spione, einer aus Überzeugung, der andere, weil er seine große Liebe schützen will. Die ganze Geschichte wird von dem jüngeren Bruder erzählt, der als alter Mann im Krankenhaus liegt und seinem Bettnachbarn zu erklären versucht, was geschehen ist. Was tun Menschen einander an, aus vermeintlichen Sachzwängen heraus? Die Handlung ist eine folgerichtige, allerdings aberwitzige Verkettung von Umständen, die so vielleicht nur das Leben bereit hält.

  Die jüdischen Schwestern Ada, Vivie und Bec Leibritzky verbringen seit Kindertagen ihre Sommer an der Küste von Connecticut. Auch als Erwachsene fahren sie jedes Jahr mit Ihren Familien in das Ferienhaus.

Nach "Die Stellung" und dem Jugendroman "Was uns bleibt ist jetzt" für mich das bisher beste Buch von Meg Wolitzer. Erzählt wird aus der Perspektive der Ehefrau, Joan Castleman, die ihren berühmten Mann zu einer Preisverleihung nach Finnland, der Krönung seiner Schriftstellerlaufbahn, begleitet und auf dem langen Flug ihre lange Ehe Revue passieren läßt: der stürmische Beginn im Amerika der 50er und ihre selbstlose Rolle als Mutter und Ehefrau, der sie ihre eigene Karriere geopfert hat. Sie beschließt, dass es genau jetzt reicht und sie ihn verlassen wird.

Mithilfe von Gentechnik soll ein rosa und dazu noch selbstleuchtender Elefant geboren werden. Das Experiment mißlingt – aber nur zum Teil: ein zwergenwüchsiger rosa Elefant kommt zur Welt, den der Elefantenpfleger versteckt hält vor dem Auftraggeber, der einen lebenden Spielzeugelefanten klonen will.

Christph Peters führt uns in das tief katholische Dorf seiner Kindheit am Niederrhein. Die friedlichen Strukturen des Dorflebens werden in den Siebziger Jahren des letztenJahrhunderts durch die Ankündigung des Baus eines "Schnellen Brüters"